Zwei Uhr

In dieser Stunde
kommt die Nacht zu mir
als eine Göttin
und verlangt ein Opfer.

In dieser Stunde
gebe ich hin jede Gewißheit,
schreibe von nun an
auch den geringsten Zweifel
in ein Gedicht.

In dieser Stunde –
und für alle kommende Zeit –
sind sie betrogen,
der Göttin sternkalte Augen,

denn in den Worten,
die ich zu schreiben vermag,
ist immer auch
meine Hoffnung verborgen.

© Jost Renner

Wende

Bis gestern noch
da sangen früh erwachte Vögel
ein neues Licht
in jeden morgendlichen Himmel.
Doch heute schon
da rufen in der Dämmerung die
grauen Krähen
nach dem Zwielicht und wollen,
daß es bleibe.
Heute schon da streifen Schatten
durch die Straßen
und suchen sich verborgne Winkel,
in denen sie
in kalten Zeiten schlafen werden.

© Jost Renner