Wunschhege

Hinderungsgrund

So oft schon wollte
ich mich
in die Büsche schlagen
oder doch gleich
in die Wälder :
ein Schatten unter
Schatten sein,
ein Rascheln im Rauschen,
diese Wege nicht
mehr weitergehen, die
mich ins Heimatlose führen,
und kein
flüchtiges Lächeln mehr
erwidern, das
mich nicht halten will
und kann.
Und wollte doch nicht wissen,
daß ich einsam bin.

© Jost Renner

Segenswunsch

Gesegnet
seien die Heimatlosen,
in deren Blick
das vage Zwielicht
des Herbstes schon dämmert,
deren Stimme spröde ist
wie welkes Laub,
das allzu bald fallen muß,
die in den Sälen
ihrer Herzen ruhelos wandern
und nichts anderem begegnen
als dem Hall ihres Schritts.
Gesegnet
seien die Heimatlosen,
denn ihr Winter wird groß.

© Jost Renner

Auch dann

Bin ich auch nur ein leises Wort
im Sprachgewirr der Welt :
ich will verstanden sein !
Bin ich auch nur ein Augenblick
im schnellen Lauf der Zeit :
ich will empfunden sein !
Bin ich auch nur ein Schatten
unter tausend bunten Bildern :
so will ich doch, daß Du mich siehst !

© Jost Renner

Pierrot

Pierrot, Du bist ein
sanfter Gespiele des Mondes,
der Du die Sonne nicht kennst.
Du beweinst eine Blume,
bis ihre Blüte sich öffnet
und nennst sie dann Sehnsucht.
Ihr Duft läßt Dich träumen
daß einst eine Sonne Dich wärme.
Ach, Pierrot,
da all Deine Hoffnungen sterben,
hoffst Du auf’s Neue und lebst.

© Jost Renner

Mein Lied

Auch in mir ist ein Lied,
das schön ist
und doch wohl niemals Antwort findet.
Denn meine Stimme ist
allzu zaghaft, und die Töne sind beinahe
unhörbar.
So weiß ich es niemandem
zu singen
als dem nächtlichen Himmel allein.
Ich wünschte mir,
Du schliefest nicht und könntest es hören !

© Jost Renner

Du

Du

Für S.

Du.
Dieses Spurenlöschen
geht nicht
ohne weiteres.
Etwas bleibt.
Immer.
Mindestens der Verlust.
Ein Nicht – Du,
das ist wie eine Frage
oder ein kläglicher Ruf.
Du, bleib !
Einmal. Immer.
Du ?

© Jost Renner

Wünsche

Welt, sei mir Blüte dann und wann,
ich will kein Blumenmeer.
Sei Blüte mir, ein zarter Kelch
aus Duft und Himmelsfarben,
der nur die dunkle, warme Erde kennt
und der den Frost schon lang vergaß.

Welt, sei ihr dagegen eine Blumenwiese,
auf der sie mit den Schmetterlingen tanzt.
Laß sie den Sonnenstrahlen folgen
und allen Wegen, die ihr sicher scheinen.
Gewöhne sie an Deine Schönheit
und lehre sie behutsam, Weltenkind zu sein.

© Jost Renner