Weltenferne

Sagen

Sie,
die mir sagte,
sie fände mich
schön :
sie stach sich
die Augen aus.

Sie,
die mir sagte,
sie wolle mich
treffen :
sie reiste ans
Ende der Welt.

Sie,
die mir sagte,
daß sie mich
liebe :
sie hat mich
einmal,
nein, zweimal
getötet.

Ich,
der ich nichts
mehr sagen will,
weiß :
daß wahr ist,
was ich verschweige.

© Jost Renner

Abseits

„Abseits-Stehen ist keine Resignation, sondern eine aggressive Handlung. Das muss wieder erkannt und praktiziert werden.“  Hans Erich Nossack

Nicht einmal noch fragen
nach Einlaß
in die Herzen und Häuser,
sondern
fortgehen und im Inneren
die Sehnsucht
nach Bränden und Liebe
bewahren.

Nicht einmal noch hadern
mit Dir, nicht
mit den Herzen der Menschen,
sondern
eine Welt erschaffen, die
gewaltiger,
mächtiger ist als die Erde.
Denn wisse :
Du bist ein einsamer Gott !

© Jost Renner

Ich bin

Ich bin nur
das Bruchstück einer Melodie,
das Dir vertraut
in den Gedanken singt
und doch unerkannt verklingt.

Ich bin nichts
als ein Bild, das aus tausend
Spiegeln widerscheint
und das Dich hin zu
einem unfassbaren Ursprung weist.

Ich bin nichts,
nichts als eines Schattens Traum,
ein vages Licht
in einem dunklen Raum.

© Jost Renner

Confessio

Nichts von dem, das einfach scheint,
ist mir jemals leichtgefallen –
ich war stets ein Fremder in der Welt.
Die bunten Farben meines Narrenkleides
hat man mir in die Haut geschlagen.
Ich habe meine Lungen wundgeatmet
im steten Gegenwind der Zeit.
Mein Lächeln ist ein scheues Tier, das
unruhig sich nach dunklem Dickicht sehnt.
Und jedes meiner Worte habe ich
aus jenem Stein gebrochen, der so lange
schon auf meinem Herzen liegt.

© Jost Renner

Die Nachtigall

In diesen ersten warmen Nächten,
die allein nicht zu ertragen sind,
da sich der Himmel endlos weitet,
daß selbst ein Gott darin verloren geht,
singt, ein Schatten unter Schatten,
in dunklen Büschen eine Nachtigall,
singt, bis am Himmel Sterne flammen
und meiner Seele Sehnsucht Wege weisen.

© Jost Renner

Zwischenhalt

Will ich
heimisch werden
an fremdem Ort,
so gilt es,
die eigenen Blicke
zu zähmen,
bis sie den Räumen
endlich vertrauen,
aus schneeigem Schweigen
Wörter zu treiben,
die sich verästeln zu
leichtem Gespräch.
Wichtig aber bleibt,
daß ich nie
die Zeit des Aufbruchs
versäume.

© Jost Renner