Weltenferne

Sündenfall (II)

Doch ich begehrte,
begehrte Evas Haut,
die leuchtete,
als seien Engel –
lichtschwer –
durch einen Himmel
gegangen,
begehrte den Apfelduft
ihres Atems,
den Klang ihrer Stimme,
wenn sie Adam
bei seinem Namen rief.

Ja, ich begehrte
und war doch nur eine
mißratene Form
aus brüchigem Lehm,
aus Erbarmen beseelt,
die selbst
die Schlange mied.
Ich begehrte,
aber Adam war schöner
als ich.

© Jost Renner

Gebot (I)

Du sollst nicht begehren,
denn
Deine Haut ist uns fremd,
ist
eine selbstvergessene Wüste,
die
einst Ruinen begrub,
die
unsere Finger und Lippen bei
einer
Berührung zu verbrennen vermag.
Doch :
wir sind Dir wohlgesonnen
und
wollen Dir Figuren senden
mit
künstlichem, schmiegsamem Fell,
wir
wollen Dir unsere Hunde bringen,
die
Deine Fremdheit nicht stört.
Doch :
Du darfst niemals begehren.

© Jost Renner

Sagen

Sie,
die mir sagte,
sie fände mich
schön :
sie stach sich
die Augen aus.

Sie,
die mir sagte,
sie wolle mich
treffen :
sie reiste ans
Ende der Welt.

Sie,
die mir sagte,
daß sie mich
liebe :
sie hat mich
einmal,
nein, zweimal
getötet.

Ich,
der ich nichts
mehr sagen will,
weiß :
daß wahr ist,
was ich verschweige.

© Jost Renner

Abseits

„Abseits-Stehen ist keine Resignation, sondern eine aggressive Handlung. Das muss wieder erkannt und praktiziert werden.“  Hans Erich Nossack

Nicht einmal noch fragen
nach Einlaß
in die Herzen und Häuser,
sondern
fortgehen und im Inneren
die Sehnsucht
nach Bränden und Liebe
bewahren.

Nicht einmal noch hadern
mit Dir, nicht
mit den Herzen der Menschen,
sondern
eine Welt erschaffen, die
gewaltiger,
mächtiger ist als die Erde.
Denn wisse :
Du bist ein einsamer Gott !

© Jost Renner