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Pflanztip

Nicht vorschnell
schreib nieder das Wort :
erst muß es
reifen im Schweigen und
sich nähren
von Herzblut und Welt,
muß Wurzeln
ausbilden im Dunkeln.
Denn nur dann
kann es sich behaupten
in all den
Stürmen der Zeit und
kann blühen.

© Jost Renner

Lesungen

Laut zu lesen,
was ich in stillen Stunden schrieb,
das heißt,
Zaubersprüche sagen, die mich verwandeln
in einen,
der für mich stets ein Fremder bleibt.
So entsteht
ein großes Unbehagen, denn es scheint mir,
als verriete ich
damit die Nacht, mein Wort und auch
mich selbst.
Und die, die um des Hörens willen kommen,
die bleiben
unbeirrt doch ihrem Traum verhaftet von
einem Dichter
und den Gedichten, die er für sie schrieb.

© Jost Renner

Gnade

Der Winter
ist eine Gnade.
Weite Flächen
aus Schnee
sind das Papier
meiner Zeit,
auf das ich mein
Innerstes schreibe.

Ist es
nicht eine Gnade,
zu glauben,
die Worte würden
einmal tauen
hinein in die Welt
und dort
ihr Teil sein –
für immer ?

© Jost Renner

Appell

Vertraut all jenen,
die schreiben,
die jedes Wort in die
dunklen Gewölbe
der Seele tragen, bis
sie wiederhallen
von ungezählten Stimmen
der Dunkelheit.

Vertraut jenen, die
die Tage mit sich tragen
in ihre Nacht
und in der Erinnerung an
Sonnenstrahlen
still zu Asche verbrennen,
denn wissen sie
nicht um sich und die Welt ?

Vertraut all jenen –
und fürchtet Euch nicht !

© Jost Renner