Liebesgedichte

Nah

Du bist ein Lied,
das ich nie
vergessen kann
und leise
immer summe.

Du bist wie Heimat :
ein heller Himmel
über Straßenschluchten,
der sich in tausend Fenstern
immer wieder spiegelt.

Du bist ein Gedanke,
der sich nach und nach
zu Worten fügt
und sich dann vollendet
als Gedicht.

© Jost Renner

Aber (Schreibblockade II)

Aber es wäre doch
über die Liebe zu schreiben
immer wieder,
über jeden Funken Hoffnung,
über ein Lächeln,
das Dir mehr bedeutet als
so viele Wörter.
Es muß doch eine Sprache geben
für die Sehnsucht,
für die Tage der Zweifel und
die heimliche Angst,
auf immer ein Fremder zu bleiben.
Wer außer Dir
wüßte, über Deine Träume
zu schreiben,
über Küsse und die wortlose Sprache
der Haut ?

© Jost Renner

Warten

Ich gehe von A
nach B
und wieder zurück
nach A.
Ich lese Bedeutendes
und schreibe
manchmal Unbedeutendes.
Dann wirst Du
da sein
und alles Warten wird
ein Ende haben.

Ich werde von A
nach B gehen
und wieder zurück nach A.
Ich werde
Bedeutendes lesen
und manchmal
Unbedeutendes schreiben.
Alles wird gut sein
und sein, wie es soll.

© Jost Renner

Sprachlos

Ich kann Dich nicht sagen.
Keine Sprache finde ich,
die Deinen Atem beschriebe
oder den Blick Deiner Augen,
die Deine Trauer fassen könnte
oder die Momente des Glücks.
Doch ich spüre Dich in mir :
Deine Augen bescheinen mich
wie zwei hellblaue Sonnen,
Dein Atem weht in meine Seele,
als ließe er Blätter leis wispern.
Deine Tränen hängen wie Tropfen
in meines Herzens Gezweig.
Wann immer Du aber glücklich bist,
darf ich einmal mehr blühen.

© Jost Renner

Synästhesie

Ich träum von Dir
in unbekannten Farben :
Dein Haar ist Meeresrauschen
in einer dunklen Nacht,
Deine Haut ein Sternenhimmel.
Wie helle Frühlingsblumen
duften Deine Augen,
und Deine Stimme schmeckt
nach süßer Frucht.
Dein Herzschlag ist mein Atem,
wenn ich träume.

© Jost Renner

Ferne

Aus der Ferne
seh ich Dich tanzen
im hellen Sonnenlicht,
als seiest Du ein
schwereloser Schmetterling.
In der Ferne
wende ich mich traurig ab,
denn mein Herz ist schwer,
als trüg es Dich noch immer
durch alle dunklen Stunden,
als wolle es
Dich noch immer lieben.

© Jost Renner

Bald

Es wird Abend.
Bald.
Der Vogelflug ist
müde geworden,
die Wolken sind
zärtlich gesinnt.
Bald
wird es Abend,
und ich warte
auf Dein Wort,
daß es sich
zu mir gesellt
und daß ich ihm
antworten darf :
Du. Ja.
Bald schon vielleicht.

© Jost Renner

Ins Unbekannte

In meinen Koffer lege ich
ein paar Funken Hoffnung,
einen Anflug von Angst
und all meinen guten Willen.
Nun will ich zu Dir reisen
mit nur leichtem Gepäck.
Wir werden Worte finden,
uns ein Haus zu bauen,
das wir dann Heimat nennen.

© Jost Renner