Monat: Januar 2017

Erlösung (V)

Der Tod (aber)
wäre keine Befreiung,
denn er
weiß mich nicht zu begehren :
er nimmt.

Die Haut (aber)
reiße ich mir vom Leib,
die ist
beschrieben mit Träumen von
Menschen –

das Fleisch (aber),
dunkler, matter werdend
durch Schorf,
geht hin zur Unsichtbarkeit –

und hänge sie
in die Zweige der Bäume.

Kommt dann (aber)
ein Wind durch die Apfelblüten,
wird sie,
ich denk‘ es, Gesang,

den Eva (wohl)
zu hören begehrt, denn
in ihm
erkennt sie sich selbst.

© Jost Renner

Verdammnis (IV)

Da ich nun
blindgelesen bin –
die Augäpfel
geschwärzt von den
Geschichten der Welt –
kommen sie,
die Töchter Evas und
Adams Söhne.
Ihre Häute, die sich
nicht schmiegen,
riechen nach Wein aus
vergorenen Äpfeln,
und all ihr Begehren
ist Taumel.
Sie fragen den Blinden
nach Wegen,
fordern Weissagung und
Rat, denn ich
bin für sie Maskottchen
und heiliger Narr.

© Jost Renner

Sündenfall (II)

Doch ich begehrte,
begehrte Evas Haut,
die leuchtete,
als seien Engel –
lichtschwer –
durch einen Himmel
gegangen,
begehrte den Apfelduft
ihres Atems,
den Klang ihrer Stimme,
wenn sie Adam
bei seinem Namen rief.

Ja, ich begehrte
und war doch nur eine
mißratene Form
aus brüchigem Lehm,
aus Erbarmen beseelt,
die selbst
die Schlange mied.
Ich begehrte,
aber Adam war schöner
als ich.

© Jost Renner

Gebot (I)

Du sollst nicht begehren,
denn
Deine Haut ist uns fremd,
ist
eine selbstvergessene Wüste,
die
einst Ruinen begrub,
die
unsere Finger und Lippen bei
einer
Berührung zu verbrennen vermag.
Doch :
wir sind Dir wohlgesonnen
und
wollen Dir Figuren senden
mit
künstlichem, schmiegsamem Fell,
wir
wollen Dir unsere Hunde bringen,
die
Deine Fremdheit nicht stört.
Doch :
Du darfst niemals begehren.

© Jost Renner