Monat: Juli 2015

Confessio

Nichts von dem, das einfach scheint,
ist mir jemals leichtgefallen –
ich war stets ein Fremder in der Welt.
Die bunten Farben meines Narrenkleides
hat man mir in die Haut geschlagen.
Ich habe meine Lungen wundgeatmet
im steten Gegenwind der Zeit.
Mein Lächeln ist ein scheues Tier, das
unruhig sich nach dunklem Dickicht sehnt.
Und jedes meiner Worte habe ich
aus jenem Stein gebrochen, der so lange
schon auf meinem Herzen liegt.

© Jost Renner

Begrenzter Zauber

Für E.

Sie wird Dir fehlen.
Schon bald.
Dies schreibst Du
nicht ihr,
denn läse sie
jedes Wort,
es nähme zu viel
von der
ihr noch bleibenden
Zeit.

Wären Deine Worte
nur Tage,
Deine Zeilen Jahre,
Du schriebest
und schriebest, damit
sie sie
zu den ihren zählte,
bis sie
alt geworden wäre und
grau.

Sie wird Dir fehlen.
Sehr bald.
Dies schreibst Du
nur Dir
und beschwörst so
noch einmal
ihr Bild, damit es Dir
bleibe.

© Jost Renner

Vor dem Einschlafen

Endlich, da ich
müde war,
kam ich zum Ufer
eines Flusses.
Der trug
sehr schwer an
seiner Dunkelheit
und hat
auch dem Himmel
all sein
Licht gestohlen.
Wird er
meine Seele hin zu
den Träumen
tragen
oder wird er mich
zu einem
Orte bringen, an dem
niemand ist,
niemand jemals war ?
Als er mich
dann endlich mit sich
trägt, da
schließe ich die
müden Lider
und halte meinen
Atem an.

© Jost Renner