Anfang Mai

Die Sonne ist noch unentschieden
und bleibt nicht lange,
doch in den Bäumen brodelt wild
schon aufgeregtes Grün.
Die ersten Blüten sind bereits
gefallen und trieben
dann in einer warmen Windbö fort.
In den Nächten aber
senkt sich aus endlos leerem Himmel
Kälte, und jede Seele,
die sich schon in einem schönen
Traum erheben wollte,
legt sich still noch einmal nieder :
wartet zitternd, friert.

© Jost Renner

7 Kommentare

    1. Es gibt viel eindeutigere Wörter, die es als Frühlingsgedicht auszeichnen: das brodelnde Grün, die ersten Blüten, die warme Windbö … Ich bezog mich auf die Stimmung, die es bei mir auslöst, auch bei wiederholtem Lesen. Es erinnert mich von Melodie und mancher Formulierung an Rilkes Herbstgedicht, aus dem ich oben zitierte.

      Und das sagt erstmal gar nichts darüber aus, wie und ob mir dein Gedicht gefällt. Es gefällt mir nämlich sehr gut, spricht mich an, löst etwas aus … 🙂

      Gefällt 1 Person

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