Landvermessung

Nun, da eine ferne, scheue Sonne
zögerlich am Himmel steht,
will ich mein Land vermessen.
Und unter kalten Winden seh ich
Meer – rundum, doch weder
Küstenlinien noch ein fernes Schiff.
Die Insel scheint ein dunkler Fels,
in See geworfen und verloren.
Klippen widerstehen der Brandung
und werden doch zerfressen.
Nur wenige wissen um die stille Bucht,
die Frieden stiftet zwischen Meer und Insel
und sichere Landung dort gewährt.
Das Innere meines Landes scheint allzu karg :
bizarre Landschaften aus Felsgestein,
als hätte die Zeit mit Gedanken gespielt
und so verwunschene Schlösser geschaffen.
Beharrlich jedoch hält sich überall Leben,
und an jedem möglichen Ort wachsen
zäh und geduldig grüne Halme und Moose.
Im Schutz steinerner Nischen nisten Vögel,
die, als seien sie unbeschwerte Träume,
auf ewig der Sonne entgegen fliegen.
In der Mitte der Insel blüht eine Blume
und öffnet sich willig dem Sonnenlicht
und strahlt – so verletzlich und schön.
Ein kleinerer Teil meines Landes aber
bleibt selbst mir noch in Nebeln verborgen.
Dorthin will ich mit der Sonne ziehen,
denn es mag sein, dort erwarten mich Wunder.

© Jost Renner

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