Im Inneren des Wagens

Ein Requiem

Vielleicht bin ich
der Einzige geblieben,
der sich je fragte,
wie jene Oktobernacht
den weißen Lack des
Wagens dunkel schattete.

Tragödie – Das Unausweichliche
geschah im Inneren des Wagens
nach unendlichen Jahren des Zorns,
und wir haben bald Formen gefunden,
das Nichtvermiedene wieder und wieder
zu erzählen – in Formeln, die doch
zuletzt immer unbegreiflich blieben.

Wie mag es gewesen sein
im Inneren des Wagens, der
bei laufendem Motor nicht fuhr,
als der deutlich sichtbare Weg
in giftig – süßem Nebel verschwamm ?
Ersetzten Träume den Atem ?

Und ich, der Enterbte, trage mit
mir das mir zugedachte Erbe,
ich, der ich Dich niemals zu Grabe trug,
schaufle Jahr um Jahr tiefe Gräber.
Ich habe anzureden gelernt gegen ein
Nein, das man auf einem Zettel fand,
vor vielen Jahren im Innern des Wagens,
und balanciere Leben auf schwankendem Grund.

© Jost Renner

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s