Gespenstersonate

Gespenstersonate

Die Gegangenen kehren oft wieder
und legen sich wie feuchter Nebel
auf Adern, Herz und Nervengeflecht
des lang verstummten Hauses.
Sie drücken die Erinnerung in
jede Wand, ins Fensterglas
und lassen Licht kaum gelten.
Ein neuer Gast, der gerne käme,
weil ihm das Herz, das drinnen schlägt,
näher als je ein andres scheint,
weiß doch, daß in dem feuchten Nebel
sich seine Gestalt schnell verliert,
daß Berührung kaum berührt und er
mit unseligen Gespenstern kämpft.
Möglich wär es, daß er Wunden schlüge,
sich und dem verehrten Herz.
Ihm bleibt nichts als zu warten
und das Gefühl treu zu bewahren,
das ihn zu diesem Hause zog.
Mag sein, das Gespenst gilt mehr
als der Gast je gelten kann,
mag sein, man reißt die Fenster auf
und vertreibt den Nebel willentlich
mit Licht und Frühlingswind.
Bis dahin wird er an sich zweifeln
und immer stiller werden. Und vielleicht
gefühllos irgendwann von dannen hinken.

© Jost Renner

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